von www.team-andro.com
Karsten Pfützenreuter, 10.03.2012

In diesem Artikel werden viele Fragen über das PITT-Force Training beantwortet.
Ein paar Fragen und Antworten mit Karsten Pfützenreuter zum PITT-Force® Training:

Frage: Sind Pausen zwischen den Wiederholungen neu?

Antwort: Nein, natürlich nicht. Pausen sind ein so fester und ewiger Bestandteil, wie es Muskelkontraktionen, Hanteln und alles andere schon ewig und immer an sich im Training sind. Man wird neben den bereits fest integrierten Pausen, wie z.B. in Übungen wie der Kniebeuge, dem Kreuzheben und bei sog. „Dead Stop-Übungen“, unzählige Verweise auf systematisch eingefügte und angepasste Pausen bei vielen Autoren, Trainern, Athleten und Trainingsmethoden wie z.B., um nur ein paar bekannte Namen in diesem Zusammenhang zu nennen, Joseph Curtis Hise („Atemkniebeugen“), Dr. Fred Hatfield („Bodybuilding – a scientific approach“), A. Schwarzenegger (u.a. „Karriere eines Bodybuilders“ und seine „Enzyklopädie“), Stuart McRobert („Beyond Brawn“) und Dante Trudel („Doggcrapp“) wiederfinden. Wenn man zudem nur einen der vielen Gedanken hinter den Pausen nur etwas weiter denkt und sich nur ein paar Sekunden mit nüchterner sportphysiologischer Literatur auseinandersetzt, wird man feststellen, dass Muskelkontraktionen im Gewichtstraining eh immer „auxotonischer“ Natur sind, d.h. die Wiederholungen im Satz unterliegen generell aus vielerlei Gründen teils sehr veränderlichen Spannungsmomenten und sind nie durchgehend gleich hoch. Es würde anders zudem weder funktionieren noch Sinn machen. Beim PITT-Force® Training geht es u.a. ganz einfach darum, dass man sich das Training durch die bewusste Verwendung angepasster Pausen „unkomplizierter“, also einfacher und produktiv schwerer zugleich macht. Neben vielen Vorteilen, wie z.B. einer höheren Effizienz, kann man sich dadurch u.a. eine Menge Aufwand mittels sonstiger traditioneller Techniken (wie z.B. dem „Abfälschen“) und so manch andere, teils risikobehaftete, Vorgehensweise beim Thema Muskelaufbau sparen.

Frage: Also ist das Prinzip der ständigen Spannung im Training falsch?

Antwort: Nein, falsch ist einfach ein ähnlich unpassender Ausdruck, wie es die Formulierung „ständige Spannung“ an sich schon ist. Zunächst einmal sollte man vorher mal einige Dinge klären und langsam, mal etwas böse formuliert, mit der Seifen-Oper beim Begriff „korrekt“, welcher häufig in einem Atemzug mit der Empfehlung „ständige Spannung“ verwendet wird, aufhören. Es wird einfach Zeit, dass man lesenden Trainierenden nicht länger etwas vorgaukelt, was sie dann in der realen Welt bzw. im Leistungssport, bei einem traditionellen Training mit durchgehenden Wiederholungen, niemals in der er- oder angedichteten Reinform wiederfinden bzw. bei keinem Training eines Wettkampfathleten sehen werden. Was zudem in dieser Fehlinterpretation, also ohne Schwung bzw. Beschleunigung, ohne jegliche Pausen oder Spannungsabsenkungen, einfach gar nicht funktionieren kann und was bei so manchem Trainierenden zu der ironischen Tragik führt, dass er dadurch, dass er in gut gemeinter Absicht quasi „zu korrekt“ trainiert, also krampf- und zwanghaft versucht eine Halbwahrheit haargenau umsetzen zu wollen, genau das Gegenteil von dem erreicht was er ursprünglich anstrebt: nämlich anstatt dass er Muskeln aufbaut, leider nur immer wieder kläglich scheitert.

Es ist einfach ein Fakt, dass keiner jemals beim traditionellen Training mit einer ständigen Spannung, wie man es dem Leser auf eine nicht optimale bis total falsche Art und Weise auf gedrucktem Papier ins Gehirn setzt, trainiert hat. Leistungstrainierende trainieren schon immer und ewig mit einer jeweils mehr oder weniger hohen Portion Schwung, also einer positiven Beschleunigung und dies im jeweiligen Rahmen ihrer individuellen Definition der Umschreibung „korrekt“. Leicht überspitzt formuliert könnte man dann noch ausführen, dass je nachdem wer es macht und wie, dieses „korrekt“ in einer Spanne von produktivem („richtigem“) bis kontraproduktiven („falschem“) „Abfälschen“ einzuordnen ist. Das Problem im Bodybuilding ist nur leider dies, dass es kaum einer auf diese Weise („Cheating“ bzw. abfälschen) bezeichnen geschweige denn gar zugeben würde. Auch bei dieser Thematik wird man in sportwissenschaftlicher Literatur wesentlich schneller fündig werden und man wird in dem Zusammenhang, je nach Autor und Quelle, unterschiedliche Umschreibungen finden, welche die jeweilige optimale Technik in objektivere Begriffe wie z.B. „ballistisch“, „plyometrisches Training“, „reversible Muskelarbeit“ oder „reaktives Krafttraining“ u.vm. einzugrenzen versucht.

Der Gedanke hinter der ständigen Spannung ist sicherlich ein richtiger und enthält das berühmte Körnchen Wahrheit und der damit verbundene Rat einer betont kontrollierten Ausführungsgeschwindigkeit usw. war sicherlich ein Schritt in eine gute Richtung, zumal ja genau dadurch ein unproduktives Abfälschen unterbunden werden soll und die Intensität des Satzes erhöht und die damit erstrebte Wirkung auf die Hypertrophie optimiert werden soll. Aber eine zu haargenaue Umsetzung in der Praxis scheitert im Leistungsbereich und gerade bei durchgehenden Wiederholungen und Übungen ohne jegliche Spannungsabsenkungen oder bei keinerlei Pausen aus vielerlei Gründen. So macht z.B. die anaerobe Kraftausdauer dem Trainierenden einfach einen Strich durch die Rechnung und dieser Zustand tritt umso eher ein, je höher die Spannungshöhe (Gewicht) ist, je leistungsfähiger der Muskel wird bzw. je hypertrophierter er ist und umso mehr und länger der Muskel durch seine eigene Kontraktion abgeschnürt wird (auch „Okklusion“ genannt).

Die anaerobe Energiebereitstellung ist und bleibt aber, neben vielen anderen Faktoren, mit einer der leistungsbestimmenden Faktoren bei einem Training, welches auf Hypertrophie ausgerichtet ist. Zudem ist dieser Faktor nicht nur individuell sehr verschieden, er kann zudem nur bedingt bis kaum trainiert bzw. verbessert werden. Eher das Gegenteil ist der Fall bzw. mit steigender Masse verschlechtert sich relativ gesehen dieser Zustand immer mehr. Der bekannte Spruch im Bodybuilding „Jeder ist anders“, müsste im Grunde noch den Zusatz für den länger Trainierenden „Jeder wird anders“ enthalten.

Arthur Jones z.B., der Entwickler der Nautilus Maschinen, hob die Bedeutung der anaeroben Ausdauer in einem Artikel aus dem Jahre 2000, der Ausgabe 1 des „X-ercise files“-Magazins auf sehr drastische Weise hervor und schrieb, dass diese einzige Komponente den Unterschied zwischen einem „Champion“ und einem „Outright Failure“ ausmacht (bei der Prämisse, dass alle anderen Faktoren gleich sind). Zudem zeigte er in dem Artikel auf, dass die individuell unterschiedliche Spanne dieser Komponente von Person zu Person extrem groß ist. Er verdeutlichte dies mit Hilfe von Untersuchungen, bei welcher die Trainierenden, wenn es darum ging, dass ein Gewicht für 6 Wiederholungen durchgehend bewältigt wurde, nicht nur eine sehr unterschiedliche Kraftentfaltung während dieser 6 Wiederholung zeigten, sondern es wurden zudem völlig unterschiedliche Wiederholungsmaxima erzielt, wennbei gleicher Belastung eine Pause zwischen den Wiederholungen eingelegt wurde. Ein Teilnehmer erreichte z.B. 34 Wiederholungen.

So paradox sich das auch im ersten Moment anhören mag, aber die angepasste Pause beim PITT-Force® Training lässt den Gedanken hinter dem Prinzip der ständigen Spannung nicht nur auf produktivere Weise Wirklichkeit werden, sondern es sorgt zudem unter anderem dafür, dass genetisch benachteiligte Trainierende bzw. sog „Hardgainer“ kein „Outright Failure“ mehr bleiben müssen und dass generell gesehen Leistungstrainierende nicht weiter oder noch mehr abfälschen müssen, um ihr Plateau zu sprengen.

Frage: Wieso schon Pausen ab der ersten Wiederholung?

Antwort: Das hat neben der Sache mit der anaeroben Wand vielerlei Gründe. Z.B. macht man es sich dadurch einfach auf produktive Weise schwerer. Um nichts anderes geht es eigentlich, wenn man mit Gewichten auf eine Erhöhung der Muskelmasse trainiert. Das ist halt u.a. der Unterschied zum bloßen Krafttraining, wo oftmals z.B. nur rein koordinative Verbesserungen, also eher eine Ökonomisierung und teilweise sehr explosive Ausführungen im Vordergrund stehen. So ist es z.B. so, dass sowohl die Kontraktion als auch die Erschlaffung der Muskelfaser Energie benötigt. Macht man nun eine Pause zwischen den Kontraktionen, so erfordert dies mehr Energie und die Arbeit (Kraft x Weg) wird erhöht, ohne dass dies auf Kosten der Intensität oder Toleranz geschieht. Während der Pause geht zudem die Muskelfaser wieder zurück in ihre optimale Ausgangslänge bzw. in die sog. Ruhelänge, was halt abermals mehrere Vorteile mit sich bringt.

Die Pause dient aber u.a. auch dazu, dass man sich selber ausbremst und nicht oder immer mehr abfälscht bzw. nicht wieder reaktiv und vor allem nicht immer noch schneller trainiert. Man zwingt sich einfach zu seinem Glück und zu einer sauberen Ausführung. Dies kommt wieder dem Gedanken der ständigen Spannung näher, weil man dadurch u.a. unterbindet, dass man im Verlauf des Satzes und vor allem mit steigendem Leistungsstand immer schneller/schwunghafter trainiert. Man verlängert praktisch die Spannungsdauer einer Wiederholung und kann aber weiterhin das Gewicht positiv beschleunigen. Und natürlich dient sie auch dazu, dass man dadurch auf ganz einfache Weise die einzelnen Belastungsparameter und die Ermüdung dosieren kann. Oder nochmal zur Verdeutlichung und Wiederholung: Training mit Gewichten zur Entwicklung eines ästhetischen Erscheinungsbildes, also als Leistungssport halt als Bodybuilding bekannt, ist die hohe Kunst es sich produktiv schwerer zu machen. Mit Hilfe der Pausen wird diese Kunst für einen Trainierenden wesentlich einfacher erlernbar gemacht.

Frage: Wieso kein Training bis zum totalen Muskelversagen oder darüber hinaus?

Antwort: Ich denke mal, dass im Jahre 2012 es sich mittlerweile auch beim letzten Trainierenden langsam herumgesprochen haben muss, dass Training bis zum totalen Muskelversagen oder gar darüber hinaus, einfach unnötig und zudem kontraproduktiv ist. Von der fast schon garantierten Gefahr sich zu verletzen ganz zu schweigen. Auch hier haben wir es aber, ähnlich dem Prinzip der ständigen Spannung, mit einem Mix aus Halbwahrheiten, Fehlinterpretationen und Irrtümern zu tun.Die Umschreibung „Training bis zum Versagen“ sollte im Grunde nur verdeutlichen, dass man sich verdammt hart anstrengen muss, wenn es um das Spiel „viele Wiederholungen mit viel Gewicht“ geht. Aber dass man unter der Hantel zusammenbricht oder sich gar vorsätzlich beinahe versucht umzubringen, war und kann weder so gemeint sein, noch wird und wurde es jemals so gemacht. Man braucht sich hierzu nur die Clips bei Youtube von erfolgreichen Athleten ansehen. Man wird einfach niemanden finden, der in einer Weise zum Versagen trainiert wie es auch hier oftmals auf geduldigem Papier beschrieben bzw. angedichtet oder gar abermals auf verdrehte bis übersteigerte Weise empfohlen wird.

Auf der anderen Seite hat der Gedanke, welcher sich hinter der Versagenstheorie verbirgt, ähnlich dem Prinzip der ständigen Spannung, aber auch wieder einen sinnigen Hintergrund. Gerade die letzten Wiederholungen eines Satzes sind bzgl. Hypertrophie die produktivsten. Das weiß ja jedes Kind. Die Versagenstheorie geht nun davon aus, dass bei Versagenseintritt alle Fasern rekrutiert und zum Wachstum angeregt wurden. Nur stimmt das leider so alleine nicht ganz bzw. nur weil man im Satz scheitert, heißt das im automatischen Umkehrschluss weder dass alle Fasern rekrutiert noch dass alle Fasern stimuliert worden sind. Das wäre nicht nur zu einfach, um wahr zu sein und hakt mehrfach an einfachen physiologischen Fakten, sondern zudem zeigt die jahrzehntelange Praxis im Bodybuilding, dass es so nicht ist.

Bodybuilder trainieren so, dass sie im Höchstfall den Satz an dem Punkt abschließen, an welchem sie merken, dass die nächste Wiederholung in ihrem Sinne nicht mehr korrekt absolviert würde. Dies liegt zwar sehr nah am Versagenund so war es im Grunde auch gemeint und wird auch oftmals als sog. „positives Versagen“ tituliert, aber es ist halt immer noch ein anderes Versagen, als wie das, welches lesende oder übermotivierte Trainierende dann im Studio z.B. beim Bankdrücken oder vielen anderen Übungen für die T-Shirt Muskeln machen.

Je nach Einfluss verschiedener Parameter sind somit bei durchgehenden Wiederholungen die letzten eins bis im maximalen Falle fünf Wiederholung „schwer“ (im Vergleich zu den ersten Wiederholungen des Satzes, welche relativ „leicht“ sind) und halt auch etwas verlangsamt (die „ständige Spannung“ lässt wieder mal grüßen). Gerade beim Thema Beintraining und dem oftmaligen Rat diese mit höheren Wiederholungszahlen auszuführen, zeigt sich auch hier abermals wie unkompliziert es ist, diese entsprechende Art produktiver Wiederholungen (nennen wir diese einfach mal „self force reps“) zu erreichen. Denn bei Übungen für die Beine ist es aufgrund der automatisch integrierten Pause auf einfacherem Weg „möglicher“, während hingegen bei vielen „Push-Übungen“ wie z.B. dem Bankdrücken, oftmals eine so starke Okklusion herrscht, dass es auf Dauer kaum bis gar nicht mehr möglich ist (zumindest nicht ohne diverse Brechstangen-Methodiken), diese self force reps zu erreichen. Nicht umsonst hört man in Relation gesehen, dass Trainierende es, zumindest wenn sie gerne Beine und Rücken trainieren, bei Beugen und Ziehen leichter haben, als halt beim Bankdrücken bzw. der Brustentwicklung. Wäre nämlich hier Versagen die Lösung, dann könnte man sich vor glücklichen Trainierenden, welche über keinerlei Probleme beim Aufbau ihrer Push Muskeln berichten, kaum retten.

Im Grunde genommen sind jegliche Satz und Wiederholungskombinationen, Ausführungsarten, Intensitätsprinzipien, Abfälschen, Methoden und Praktiken im Bodybuilding, nur die Umsetzung des Bestrebens eine ausreichende Anzahl schwerer bzw. produktiver Wiederholungen zu erzielen. Allerdings je nachdem wer es macht und wie, mal mehr oder weniger effizient. Durch die Pause kann man die steigende Ermüdung und alle anderen Parameter wunderbar dosieren und steuern und das ohne, dass man weder Versagen braucht, noch das es aus anderen und halt teils kontraproduktiven Gründen, vorzeitig eintritt. Man erreicht auf einfache bzw. unkomplizierte und vor allem ungefährliche Weise eine ausreichende Anzahl von produktiven self force reps. Versagen „kann“ passieren aber man sollte es einfach nicht provozieren. Das ist ein Rat, welcher einem jeder gute Trainer und Athlet geben wird.

Wer ernsthaft „glaubt“, dass ein Training bis zum Versagen oder darüber hinaus auch nur irgendeine Art von Garantieschein, Abkürzung oder gar eine Methodik sein soll, der wird spätestens, wenn bzw. falls er ein entsprechendes Kraftlevel überhaupt erreicht, auf schmerzhafte Weise (Verletzung, Abriss usw.) und nicht selten tragisch endgültig eines besseren belehrt werden. Das Glück und der damit verbundene Schutz so mancher Befürworter der Versagenstheorie ist nämlich der, dass einzig und allein ihr fehlendes Talent bzw. die eigene Kraftlosigkeit sie vor Schlimmeren aber halt auch vor Einsicht schützt.

Training bis zum Versagen oder gar darüber hinaus ist weder ein Trainingsprinzip noch eine Hilfe. Es ist einfach nicht nötig und neben dem Abfälschen einer der Hauptgründe warum Trainierende scheitern. Es reicht wenn man beständig und progressiv trainiert und es sich auf ehrliche Weise anstrengend macht. Im Grunde genommen, und vor allem nicht ständig, ist nicht einmal ein Wiederholungsmaximum nötig, weil man gerade beim Pausentraining nicht selten mehr als 20 Wiederholungen schaffen könnte. Eine ausreichende Anzahl von schweren produktiven Wiederholungen sollte das Ziel im Training sein. Bei der Frage nach der individuellen Menge, hilft u.a. ein gewissenhaft geführtes Trainingstagebuch.

Frage: Es wird empfohlen, dass die jeweilige Übung so verändert werden soll, dass man wie beim Kreuzheben mit dem positiven Teil der Bewegung startet („Dead Stop“). Worin liegt hier der Vorteil?

Antwort: Das hat mehrere Vorteile. Z.B. wird die Kontraktion dadurch zu einer sog. „Unterstützungskontraktion“. Das heißt die Wiederholung besteht zu Beginn aus einer isometrischen Kontraktion und geht dann in eine auxotonische Kontraktion über. Dies sorgt abermals und wie schon erklärt dafür, dass neben einer forcierten Verlangsamung, die Spannungsdauer der einzelnen Wiederholung verlängert wird. Auch hier wird man über die Vorteile in Zusammenhang mit der Zielsetzung für Hypertrophie, von sog. „intermediären“ Kontraktionen (Wiederholungen die isometrische Kontraktionen enthalten), u.a. in sportwissenschaftlicher Literatur zu genüge fündig werden. Durch diese Vorgehensweise unterbindet man zudem wieder eine zu stark reversible/reaktive Ausführung bzw. das Abfälschen. Man macht es sich, wie das generelle Motto bei diesem Training ist, auf produktive Weise schwerer. Zudem braucht man einfach weniger Gewicht für das mindestens gleiche Ergebnis. Es wird dadurch einfacher, wenn es darum geht sauber zu trainieren und das obwohl man es sich schwerer macht. Hier liegt jedoch auch die größte Hürde für das Ego jener Trainierenden, die zuvor zu stark abgefälscht haben und nun die bisherigen Gewichte evtl. reduzieren müssen. Aus dieser Sichtweise heraus ist dieses Training das Schwerste, weil es die meiste Selbstüberwindung verlangt.

Frage: Sollte für die Pausen eine Stoppuhr zur Hilfe genommen werden?

Antwort: Das „kann“ man sicherlich gerade zu Beginn machen, um sich in das Training einzufinden. Aber man „muss“ es nicht und es ist wesentlich besser, wenn man es sich so schnell wie möglich angewöhnt, es ohne „Stützräder“ zu schaffen. Ich selber z.B. habe vielleicht ein paar Mal eine Stoppuhr zur Hilfe genommen, aber es dann auch sofort wieder gelassen, weil es mir zum einen weder Spaß macht so zu trainieren, noch es mir dabei hilft sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das sollte eh generell das Wichtigste in jedem Training bleiben.Wenn einem die Uhr dabei hilft, ist das gut, wenn allerdings nicht, dann sollte man das schnell wieder lassen. Wer sich nämlich mittels starrer Sekundenvorgaben wieder abermals nur an eine grobe Richtlinie klammert, also ähnlich der Suche der magischen Satz und Wiederholungsformel beim traditionellen Training ohne Pausen, verliert unter Umständen den Sinn und Zweck des Spiels aus den Augen. Zudem muss einem einfach klar sein, dass aus vielerlei Gründen die Pause nicht einer konstanten Zeitvorgabe unterliegen kann und starken Schwankungen unterliegt. Sicherlich heißt die grobe Anleitung, dass man so kurz wie möglich und so lange wie nötig pausiert, aber es gibt hier genauso wie beim Training mit durchgehenden Wiederholungen eine Spanne von Möglichkeiten, die man auf jeden Fall nutzen sollte. Es war irgendwo ein Fehler die Pause von eins bis zwanzig Wiederholungen in Sekundenangaben vorzugeben und ich hätte das wissen müssen, zumal ich lange genug im Studio zuhause bin und die Natur der Trainierenden kenne. Aber letztendlich regelt es sich beim ernsthaft Trainierenden eh im Laufe des Trainings von selbst bzw. wer dabei bleibt, wird das Training verstehen und die vielen Optionen ganz alleine entdecken und nutzen.

Frage: Wieso der Wdh-Bereich von 10-20 Wdh?

Antwort: Auch das hat ganz einfache und vielzählige Gründe. Zunächst einmal stellt der relativ hohe Wiederholungsbereich sicher, dass man auch ausreichend schwere Wiederholungen absolviert und nicht in die Maxkraftfalle des Egos tritt. Unterhalb von zehn Wiederholungen verschiebt sich das Spiel zu sehr in Richtung reines Maximalkrafttraining bzw. es werden dann wieder nur größtenteils koordinative Verbesserungen erzielt und die Gewichtsbelastung ist einfach zu hoch. Dieser niedrige Wiederholungsbereich, also beim traditionellen Training wäre das der Bereich von eins bis ca. sechs Wiederholungen, ist aber nicht nötig und ist für das Gro der Trainierenden sogar der Zielsetzung Hypertrophie kontraproduktiv. Der hohe Wdh Bereich sorgt aber auch dafür, dass sich auf „natürliche“ Weise, Dinge wie „Periodisierung“ und „Phasentraining“ praktisch von selbst ergeben. Bei z.B. einer einfachen Progression, also bei Durchlaufen dieses Wiederholungsbereiches mit gleichem Gewicht, welches anfänglich nur gerade zehnmal und am Ende relativ locker zwanzig Mal bewältigt wird, ergibt sich eine synergistische Wirkung der hauptsächlich angestrebten Anpassungen. Das sog. „SAID“-Prinzip müsste nämlich im Grunde „VAID“-Prinzip heißen: „Various Adaptions imposed to specific demands“. All dies geschieht, ohne das die Hauptzielsetzung Hypertrophie darunter leidet und dies halt ohne das man, wie bei wiederum größtenteils auf Papier empfohlener Vorgehensweise, krampfhaft versucht, dies in drei unterschiedliche wochenlange Phasen (Maxkraft, Hypertrophie, Kraftausdauer) aufteilen zu müssen. Man sorgt auf geduldige und ungezwungene Weise für eine in sich ergänzende Entwicklung und spart sich dadurch eine, meiner Erfahrung nach komplizierte und vor allem im BB realitätsfremde Vorgehensweise. Frei nach dem Motto „Was die Götter geeint, dass soll der Mensch nicht trennen“. Der Wiederholungsbereich grenzt somit den ungefähren Rahmen ab, welcher sich in der Praxis erwiesen hat. Er sorgt dafür, dass weder zu schwere Gewichte genutzt werden, noch dass sich unnötig verausgabt wird. Wenn die zwanzig Wiederholungen zu oft überschritten würden, wäre dies ein Indikator dafür, dass die Gewichtsbelastung entweder zu leicht ist oder die Pausen zu lang sind oder sich einfach nur durch ein überzogenes Wiederholungsmaximum wieder abermals überanstrengt wird. Keiner dieser Fälle sollte ein Dauerzustand sein.

Frage: Sind Cheating und Volumen Training verkehrt?

Antwort: Nein, etwas, dass einfach ein Fakt bzw. eine feste Praxis ist, was alltäglich weltweit gemacht wird und was in der Vergangenheit Tonnen von Muskelfleisch produziert hat, kann im Grunde nicht verkehrt sein. Es ist halt nur u.a. das Problem, dass es weder als solches tituliert wird, dass es schwer erlernbar ist und dass die Spanne von Kunst und Technik einer positiven Beschleunigung bzw. eines korrekten Abfälschens bis hin zu einer skrupellosen vorsätzlichen Selbstkasteiung, bei einem teils gleichzeitig extrem ungünstigen Aufwand Ertragsverhältnis riesengroß ist. Die Tatsache, dass aufgrund falschen Abfälschens ca. 90% der Trainierenden im Studio nur heiße Luft aber keine Ergebnisse produzieren, mal jetzt außen vor gelassen. Zudem gibt es sehr viele verschiedene Arten, was u.a. mit dem Zusammenspiel der elastischen und kontraktilen Anteile im Muskel und mit vielen anderen Faktoren wie z.B. der jeweilige Leistungsstand des Trainierenden, die Kontraktionsart, die Beschaffenheit der Übung u.v.m. zu tun hat. Eine nicht optimale Umsetzung führt nicht nur zwangsläufig im relativ günstigen Fall zu einem immer höheren Satzvolumen, sondern im ungünstigen Falle bedeute es genau wie ein überzogenes Versagenstraining, das vorzeitige Aus aufgrund von Verletzungen.

Es ist halt alles auch irgendwo nicht nur die Frage was man will und wie sehr man es will, sondern wie schnell und lange man es will. Es gibt eine feine Linie zwischen wirklich wollen und krampfhaften erzwingen. Die Ironie im Training ist einfach die, dass je zwanghafter man Wachstum zu beschleunigen versucht man damit umso stärker die Resultate verlangsamt. Sei es nun durch ein zu viel, zu hart, zu oft oder gar alles auf einmal. Die Pause zwingt den Trainierenden nicht nur zu einer sauberen Ausführung und damit verbunden zu mehr Wachstum, sondern schützt ihn gleichzeitig vor dem, was sein Segen und sein Fluch zu gleich ist: nämlich seiner unbändigen Motivation. Dass die Mehrheit der Trainierenden im regulären Studio durch abfälschen unter ihren Möglichkeiten bleiben mag das eine sein, aber das mancher sich nicht selten mehr oder weniger unbewusst selber vorsätzlich zum Krüppel trainiert, ist weder bewundernswert noch großartig männlich. Über Doping wird ja heute scheinbar kein Hehl mehr gemacht, aber das Tabuthema „Schmerzmittelmissbrauch/abhängigkeit“ wird weiterhin unter den Tisch gekehrt. Logo, passt ja auch nicht ganz ins Bild des „gesunden Trainings“. Es geht aber auch anders und einfacher und das ist mehr als ausreichend, mutig und vor allem hart und intensiv genug.

Karsten Pfützenreuter ist renommierter Trainings- und Ernährungsexperte und professioneller Trainer und Betreuer von national und international erfolgreichen Amateur- und Profi-Athleten. Seine jahrzehntelangen Erfahrungen im Kraftsport resultierten im PITT-Force® Training, das Karsten in seinem Buch „PITT-Force Professional Intensity Training Techniques“ beschreibt. Mehr Infos zu PITT findet Ihr auf pitt-force.com.

 

Foto:
ATHLETE ON POMMEL VOL 3

© Chronis Chamalidis | Dreamstime.com

Tagged with →  
Share →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.